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15.06.2006 |
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Tod für den Frieden
Am 20. Oktober wurden der Stabsgefreite Roman Schmidt und der Stabsunteroffizier Patrick Behlke in der Nähe von Kunduz Opfer eines Selbstmordanschlags.
Foto: DPA
Landstuhl/Zweibrücken – am Freitag, den 24. Oktober in Landstuhl. Es ist ein kühler, klarer Herbsttag. Zwei Särge stehen in der Alexanderskirche, in Bundesflaggen mit dem Staatswappen gehüllt. Trauermusik. Soldatenhelme am Kopfende, militärische Auszeichnungen der Gefallenen auf schwarzen Tafeln an die Särge gelehnt. Blumenkränze. Schwarz, Rot, Gold. Eine Bundeswehrformation erweist ihren in Afghanistan gefallenen Kameraden die letzte Ehre. Auf ein Zeichen der Todesglocke setzt sich der Trauerzug in Bewegung. 500 Menschen geben den Soldaten das letzte Geleit. Unter den Trauergästen ist auch der Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung, der die jungen Männer als Soldaten bezeichnete, „die der Bundeswehr in Afghanistan ein Gesicht gaben“.
Mit Entsetzen hörte Alexander Kühl, der in Neuss (Nordrhein-Westfalen) zu Hause ist, die furchtbare Nachricht über den blutigen Selbstmordanschlag in der Nähe von Kunduz, dem fünf Kinder, der Angehörige des 263. Fallschirmjägerbataillons Stabsgefreite Roman Schmidt (┼22) und der Stabsunteroffizier Patrick Behlke (┼25) zum Opfer fielen. „Romans Tod trifft mich hart. Ich habe ihn gekannt und kenne seine ganze Familie“, sagt Kühl. „Wir kommen ja alle aus einem Ort in der ehemaligen Sowjetunion, und zwar aus dem nordkaukasischen Städchen Nartkala“.
Sichtlich bewegt, erzählt Alexander, dass Roman Schmidt einer typischen russlanddeutschen Familie entstammt. Sein Großvater musste während des Zweiten Weltkrieges den Leidensweg aller Deutschen in Russland gehen, die allein wegen ihrer deutschen Volkszugehörigkeit enteignet, deportiert und bis zu Beginn der 1960er Jahre als Staatsfeinde galten. Er blieb aber dem christlichen Gebot der Nächstenliebe treu und trug. nach seiner Entlassung aus dem stalinschen KZ keinen Hass im Herzen, sondern ging gewissenhaft seinen Aufgaben nach, stets fleißig, freundlich und hilfsbereit. Ohne von den Sowjets irgendwelche Entschädigungen für rassische Diskriminierung schlimmster Art zu fordern.
Kühl kennt seit seiner Schulzeit auch Romans Vater. Er beschreibt ihn als einen bescheidenen zuverlässigen Freund, auf dessen Wort man sich immer verlassen konnte. Seine Familie hat sich in der Bundesrepublik problemlos eingelebt, erfreut sich eines breiten Bekanntenkreises und fühlt sich in der neuen Heimat heimisch.
Roman Schmidt lebte in Deutschland seit seinem fünften Lebensjahr. Er war ein lustiger und geselliger junger Mann, in der Stadt als Verteidiger in der Fußballmannschaft des Heimatvereins SSC Landstuhl 03 bekannt. Aber am liebsten fuhr er Snowboard. Seine Schul- und Spielkameraden haben ihn als an einen „spaßigen, verrückten Typ“ in Erinnerung, mit dem es „immer lustig war und der das Leben nahm , wie es ist“. Die Frage „Zivil- oder Militärdienst?“ stellte sich für ihn nicht. Er meinte nämlich, er gehöre dorthin, wo man ihn braucht. Auch als ihn die Vorgesetzten fragten, ob er für einen Militäreinsatz im Ausland bereit sei, gab er die gleiche Antwort.
Seinem nächsten Freund Maxim, der ebenfalls Russlanddeutscher ist und seit mehr als sechs Jahren in der Bundeswehr als Oberfeldwebel dient, gestand Roman einmal: „Man kann sich kaum vorstellen, wie schlimm es dort unten ist“. Aber er blieb auch nach einer Verwundung in Afghanistan, weil man ihn dort „brauchte“, weil er seine Kameraden nicht im Stich lassen wollte und weil er stolz war, Soldat zu sein und Deutschland zu dienen.
Wie die 30 deutschen Soldaten, die seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes im Januar 2002 umgekommen sind, sind nun auch der Deutsche aus Russland Roman Schmidt und sein Kamerad Patrick Behlke für das Ansehen ihres Vaterlandes gefallen. In Kunduz, am Hindukusch. „In Wahrnehmung ihres Auftrages im Einsatz für den Frieden in Afghanistan“, wie die Medien wissen ließen.
Robert Korn | |
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