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15.06.2006

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EIN RUSSLANDDEUTSCHER IM VATIKAN

 

Eine ansehnliche Abordnung der Stadt Regensburg überbrachte Papst Benedikt XVI. am 15. Juni in Rom die Ehrenbürgerurkunde ihrer Stadt. Neben Vertretern des Stadtrates mit allen drei Bürgermeistern, den Repräsentanten der Kirche, der Wirtschaft und des Sports war auch der stellvertretende Bundesvorsitzende und Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Dr. Arthur Bechert, mit von der Partie.

Knapp 40 Grad im Schatten sind im Juni selbst für das sonnige Italien zu viel. Erbarmungslos brennt die Sonne vom Himmel, doch die Pilger, die aus der ganzen Welt nach Rom gekommen sind, um den Segen des Heiligen Vaters zu empfangen, scheint die Hitze nicht zu stören. Mindestens 4 000 sind es diesmal, die sich auf dem Petersplatz zur Generalaudienz versammelt haben, wie man das Ritual nennt. Wöchentlich fährt hier der Heilige Vater im berühmten Papamobil durch die Pilgerreihen, um seinen Segen zu spenden. Diesmal empfängt ihn auch die Regensburger Delegation: Die Gäste aus Deutschland wollen die Teilnahme an dieser heiligen Handlung nicht versäumen.

„Vor den Erfolg hat der Herrgott den Schweiß gesetzt“, sagt der Leiter der Regensburger Abordnung, denn die Regensburger in ihren schwarzen Anzügen und geschlossenen Kleidern haben es schwerer als die anderen Pilger. Doch die Spannung vor dem Empfang beim  Heiligen Vater, der im Anschluss an die Generalaudienz stattfinden soll, lässt sie die Plage durch die Hitze vergessen. Und sie werden sehr bald dafür belohnt. Geleitet von dem Geistlichen Botschaftsrat und einem Dutzend von Männern in schwarzen Anzügen und dunklen Sonnenbrillen gelangen die Regensburger zuerst in die Sixtinischen Kapelle, die Hauskapelle der Päpste im Vatikan. Die Fresken der besten Maler der Renaissance – S. Botticelli, D. Ghirlandajo, Perugino, Pinturicchio, L. Signorelli und natürlich Michelangelo - sind hier zu bewundern. Doch Zeit dafür haben die Regensburger nicht. Es geht weiter. Ins Audienzzimmer in der Halle Paul VI.

Die Privataudienz

Angenehme Kühle herrscht hier. Auf dem weißen Marmorboden stehen im Halbkreis die Stühle für die Audienz-Teilnehmer,  an der Stirnseite auf einem kleinen Podest - der vergoldete Stuhl für den Pontifex, flankiert von zwei grünen Pflanzen und einem schlichten hölzernen Kreuz. Aber trotz der wohligen Frische steigt die Spannung von Minute zu Minute weiter. Gesprochen wird kaum mehr, und wenn überhaupt, dann nur im Flüsterton. „Langsam bewegen, wie Messdiener“, mahnt der Pressebegleiter die anwesenden  Zeitungsleute und Kamerateams. Die Sicherheitskräfte weisen den Fotografen ihre Positionen zu. Der Gruppe schließen sich jetzt Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller und der Deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Dr. Gerd Westendickenberg an.

Schließlich ist es soweit: Mit einem  „Grüß Gott“ auf den Lippen durchschreitet Papst Benedikt XVI. in persona den Raum. Nach der fünfminütigen Laudatio sind dann die Gäste dran. Regensburgs Oberbürgermeister Hans Scheidinger zuerst, der dem Heiligen Vater die Ernennungsurkunde überreicht, die dem Pontifex ewiges Heimatrecht in Regensburg zusichert.

In einer von Herzlichkeit und Offenheit geprägten Rede bedankt sich der Pontifex für die Aufnahme in die Reihe der Regensburger Ehrenbürger. Nach der Schilderung seiner Verbundenheit mit der Domstadt erinnert Benedikt XVI. an den Knabenchor Domspatzen und sagt abschließend: „Ich empfinde große Liebe zu Regensburg“.

Und trotz der Zeitnot lässt er es sich nicht nehmen allen Delegationsteilnehmern persönlich die Hand zu schütteln und ein paar Worte mit Ihnen zu wechseln. Bechert nützt die Gelegenheit, um dem Pontifex die Grüße seiner Landsleute auszurichten und einige Schriftstücke über russlanddeutsche Katholiken zu überreichen, wobei der Papst ihm versichert, dass der Heilige Stuhl den Seelsorge- und karitativen Dienst an den Deutschen aus Russland sehr ernst nimmt.

Arthur Bechert

„Ich freue mich sehr, dass ich als Delegationsmitglied den Heiligen Vater persönlich an das schwere Schicksal der Deutschen aus Russland erinnern und ihm auch schriftliche Zeugnisse des Unheils überreichen konnte, das die Christen, und darunter zahlreiche Katholiken, in der Sowjetunion ereilt hatte“, sagt Dr. Bechert. „Ich konnte mit Genugtuung feststellen, dass der mühevolle und leidvolle Weg, den meine Landsleute nicht zuletzt ihres religiösen Lebens wegen gehen müssen, dem Heiligen Stuhl bekannt ist. Ebenso wie die Tatsache, dass unsere Volksgruppe trotz aller Schikanen und Behinderungen schon durch zwei Nachkriegsgenerationen ein beeindruckendes Glaubensbekenntnis abgelegt hat. So gut wie nichts deutet mehr in den ehemaligen Siedlungsgebieten  der Russlanddeutschen darauf hin, dass hier einstmals blühendes kirchliches Leben geherrscht hat. Alles gerät in Vergessenheit, sogar das Unrecht, das mit der Vernichtung unserer gesamten Volksgruppe zusammenhängt. Die harten Verfolgungs- und Vernichtungszeiten hat meines Wissens ein einziger katholischer Priester überlebt, nämlich der Prälat Köhler im kirgisischen Frunse. Das alles weiß auch der Heilige Vater“, stellt Bechert mit Zufriedenheit fest.

Der 42-jährige Regensburger gehört persönlich der Erlebnisgeneration nicht mehr an: Er ist 1964 in der Verbannung, im kasachischen Schortandy geboren worden, hat dann im sibirischen Tomsk Physik studiert, bevor er, 1991 als deutscher Aussiedler nach Regensburg gekommen, an der hiesigen Universität promoviert hat. Nur wenige Monate in Deutschland, ist er 1991 der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland beigetreten und einige Jahre später zum Vorsitzenden der Ortsgruppe  Regensburg gewählt worden. Danach ist der IT-Spezialist in der Firma „Audi“ 2004 zum Vorsitzenden der Landesgruppe Bayern und dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft aufgestiegen.

Die effiziente Arbeit der Ortsgruppe Regensburg ist in der Stadt nicht unbemerkt geblieben. Die Gründung des städtischen Aussiedlerbeirates, die exakt organisierte Hausaufgabenhilfe für Aussiedlerkinder in den eigens dafür zur Verfügung gestellten Räumen der Ortsgruppe, die Sozialbetreuung der Landsleute sowie der erfolgreiche Einsatz für die Einstellung russlanddeutscher Lehrer im Bereich Sozialpädagogik lässt sich sehen und hat inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus hohe Resonanz erfahren. Der Vorschlag des Stadtrates, den Vorsitzenden der Landesgruppe der Landsmannschaft Bayern in die Regensburger Delegation für die Sonderaudienz in Rom einzuschließen, ist also nicht von ungefähr gekommen. Und so kann Bechert am 15. Juni dem Pontifex ganz nahe sein, als dieser nach der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz die bayrische Abordnung empfängt.

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Bevor der Heilige Vater, von Vertrauten und Sicherheitskräften umgeben, das Audienzzimmer verlässt, verabschiedet er sich mit den Worten: „Auf Wiedersehen in der Stadt an der Donau!“ Und die will er spätestens im September besuchen, seine Heimatstadt, in der inzwischen jeder zehnte Bewohner Deutscher aus Russland ist. Die so genannte „Papstwiese“, auf der der Pontifex am 12. September einen Gottesdienst unter freiem Himmel zelebrieren wird, liegt übrigens direkt vor dem Haus, in dem Arthur Bechert wohnt, so dass er sich schon heute auf eine weitere erfreuliche Begegnung mit dem Heiligen Vater freut.

Robert Korn


  

PUBLIKATIONEN

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Augsburg 2004

 

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Waldemar Weber Verlag

Augsburg 2005

 

224 S.

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ISBN 3-9808647-3-1

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Anton Bayr

 

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Überlebenskampf

in sowjetischen Lagern –

ein Kriegsgefangener

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Waldemar Weber Verlag

Augsburg 2005

 

172 S.

illustriert

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